16. Oktober 1925

Der Vertrag von Locarno, erste Etappe in der deutsch-französischen Annäherung

Am 16. Oktober 1925 unterzeichnet Briand gemeinsam mit Gustav Stresemann den Vertrag von Locarno, der die Grenzen Frankreichs, Deutschlands und Belgiens garantiert und einen gegenseitigen Unterstützungspakt schafft. Dieser Vertrag gestattet es Deutschland, seine Isolierung auf der inter-nationa¬len Bühne zu durchbrechen und 1926 in den Völkerbund aufgenommen zu werden. Im gleichen Jahr werden die Bemühungen der beiden Politiker durch die Ehrung mit dem Friedens¬nobel¬preis gewürdigt. 1929 legt Briand mit Stresemanns Unterstützung der Versammlung des Völkerbundes den ersten offiziellen Entwurf für eine europäische Union vor, die sich vorrangig auf den wirtschaft¬lichen Bereich erstreckt und die staatliche Souveränität schützt. Er sieht die Schaffung eines gemeinsamen Marktes vor, ein Ziel, das 1957 im Vertrag von Rom wieder aufgegriffen wird. Doch die Erwähnung eines föderalen Bundes ruft bei den europäischen Staaten keine Begeisterung hervor. Das Vorhaben wird nach dem Tod Briands 1932 angesichts der wachsenden Spannungen in Europa endgültig aufgegeben.